Gemeinsam sind wir stärker!

Unser Motto für den CSD.Hannover 2019

Ein halbes Jahrhundert liegen sie nun schon zurück: Die Proteste und Aufstände rund um die Bar Stonewall Inn in der New Yorker Christopher Street. Zum wiederholten Male kommt es in der Nacht des 27./28. Juni 1969 zu Razzien der Polizei. Das ist nicht neu. Immer wieder wurden Menschen bei Polizeirazzien in queeren Bars festgenommen, misshandelt und in der Presse zwangsgeoutet. Neu ist, dass sich die Besucher*innen der Bar an diesem Abend massiv zur Wehr setzen. Über Tage hinweg kämpfen bis zu 2.000 von ihnen gegen rund 400 Polizist*innen.

Dieser Widerstand markiert einen Wendepunkt für queere Menschen. War man bisher hauptsächlich darauf bedacht, bei der Mehrheitsgesellschaft für Entkriminalisierung und Toleranz zu werben, erwacht nun ein neues Selbstbewusstsein. Der Stolz auf die eigene Identität und der Kampf gegen Diskriminierung finden fortan ein neues Format: Die Pride-Demonstrationen, die in Deutschland Christopher Street Days (CSD) heißen.

Doch wem haben wir diesen Wendepunkt zu verdanken? Das Stonewall Inn war nicht nur bekannt für sein queeres Publikum, es waren vor allem trans*, Schwarze und Latinx Menschen, die die Bar besuchten. Der Grund, warum gerade diese Bar angegriffen wurde, war also ganz wesentlich eine Verbindung von Queer- inbesondere Trans*feindlichkeit und Rassismus. Und so waren es auch trans*, Schwarze und Latinx Menschen, die den Widerstand anführten.

In den darauffolgenden Jahrzehnten etablierten sich in den USA ebenso wie in Europa Organisationen, die sich auf den Stonewall-Aufstand beriefen, jedoch vor allem die Interessen weißer, bürgerlicher Schwuler und Lesben vertraten. Für eine Teil dieser Gruppe ergaben sich wesentliche rechtliche und politische Verbesserungen. Bis heute sind trans* und nicht weiße Menschen in vielen queeren Organisationen unterrepräsentiert. Auch in unserer eigenen Organisation sind weniger Schwarze Menschen und People of Color aktiv, als wir uns wünschen würden. Rassismus und Trans*feindlichkeit sind in Szenekontexten gang und gäbe.

Gemeinsam sind wir stärker. Queere Communities, wir selbst, müssen an Ausschlüssen, die wir produzieren, arbeiten. Nur wenn wir Raum geben, zuhören, Lernprozesse zugestehen und aktiv angehen, können wir Stimmen Gehör verschaffen, die bisher untergehen. So können wir starke, solidarische queere Bündnisse schließen, die unsere Forderungen umsetzen können und sich auch mit Anliegen weiterer marginalisierter Gruppen befassen. Man muss nicht selbst von Rassismus, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Sexismus, Be_hindertenfeindlichkeit u.v.m. betroffen sein, um dagegen anzugehen.

Gemeinsam sind wir stärker, wenn sich auch nicht queere Menschen für unsere Menschenrechte stark machen. Unsere Straight Allies Kampagne ist dazu ein ganz pragmatisches Angebot. Man muss nicht selbst queer sein, um für queere Rechte zu kämpfen. Wir fordern alle Menschen auf, sich unsere Anliegen zu eigen zu machen und Seite an Seite mit uns zu demonstrieren.

Wir rufen dazu auf, gemeinsam gegen Diskriminierung anzugehen. Auf der Straße beim CSD.Hannover, aber auch das ganze Jahr, in Alltagssituationen. In der Familie, im Stadtteil, im Ehrenamt, im Sportverein, auf der Arbeit: Überall ist eine klare Haltung gegen Hass und Ausgrenzung gefragt. Das muss niemand allein tun, denn: Gemeinsam sind wir stärker.